Realisierungswettbewerb - Universitätsklinikum Aachen
Neubau Betriebskindergarten und Sozialpädiatrisches Zentrum

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Perspektive
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Lageplan
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Konzept
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Grundriss EG
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Grundriss OG
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Geländeschnitt - Blick Richtung Osten
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KITA - Hofansicht von Norden und SPZ - Hofansicht von Süden
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KITA - Ansicht von Süden und SPZ - Ansicht von Norden
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Geländeschnitt - Blick Richtung Westen
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Konstruktives Konzept
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KITA _ Fassadenschnitt
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SPZ - Fassadenschnitt
Gestalterisches Konzept
Ziel des Entwurfes ist es, über ein Gebäudeensemble freistehender Baukörper den differenzierten Freiräumen und Funktionen Rechnung zu tragen sowie unter Berücksichtigung der topografischen Begebenheiten eine klare Erschließung aller Gebäude zu formulieren, um diese barrierefrei an das Klinikum anzubinden.
Baukörper und Erschließung
So formuliert der Entwurf drei Baukörper, welche jeweils dreiseitig einen Freiraum umschließen. Der östliche, zweigeschossige Baukörper beherbergt die Kindertagesstätte, im südlichen, ebenfalls zweigeschossigen Baukörper wird das Sozialpädiatrische Zentrum und der Personalrat angesiedelt. Am westlichen Abschluss des Wettbewerbsgebietes ist ein eingeschossiger Baukörper als Erweiterungsbau vorgesehen, der ebenfalls dreiseitig einen Freiraum umschließt.
Die Neubauten als auch das Uni-Klinikum werden freiräumlich von einem linearen Platzraum erschlossen, der die unterschiedlichen Höhen des Geländes vermittelt. Zwischen Baukörper und Platzraum erstreckt sich zentral der Parkplatz, welcher 96 PKW-Stellplätze beherbergt.

Kindertagesstätte
Die KITA ist als Zweibund organisiert, in dem sich alle Gruppenräume zum gemeinsamen Außenraum orientieren. Die Räume der Kinder der Gruppenform I sind im Erdgeschoss angesiedelt, die Räume der Gruppenform II befinden sich im Obergeschoss. Der nördliche und südliche Gebäudeschenkel beherbergt in der äußeren Raumschicht eine Nebenfunktionsschiene mit Garderoben, Lager etc. sowie einer internen vertikalen Erschließung. Im westlichen Schenkel befinden sich in der äußeren Raumschicht gemeinschaftliche Räume wie die Bewegungsräume oder Räumlichkeiten des Personals sowie die Haupterschließung mit Aufzug. Im OG sind alle Räume über einen Laubengang an eine großzügige Dachterrasse angeschlossen, welche über eine Freitreppe und Rutsche zum unteren Außenspielbereich führt und gleichzeitig den direkten zweiten Rettungsweg ermöglicht.

Sozialpädiatrisches Zentrum
Das SPZ ist als Zwei- bzw. Dreibund organisiert. Die therapeutischen Einrichtungen im Erdgeschoss erschließen sich über einen Dreibund um den Hofraum, die übergeordneten Personal- und Nebeneinrichtungen sind als Zweibund formuliert und schieben sich in Verlängerung des Turms B6 des Uni-Klinikums in den Hang entlang des linearen Platzraumes. In der Zwischenzone des therapeutischen Bereiches sind Nebenfunktionen wie Magazine und Personal WCs angesiedelt. Diese weite, durch Oberlichter zusätzlich belichtete Zone ermöglicht eine klare Orientierung und bietet Möglichkeiten der Kommunikation und des inhaltlichen Austausches des Personals sowie zusätzliche differenzierte Möglichkeiten des Wartens für Angehörige der Patienten. Der Eingang mit dem Wartebereich und die Rezeption liegen unmittelbar am Platzraum und werden freiräumlich über eine Treppenanlage und eine Wegegabelung barrierefrei erschlossen. Der differenzierte Baukörper ermöglicht zusätzlich einen weiteren barrierefreien Zugang im Obergeschoss über eine Galerie im Wartebereich und einen entsprechenden Aufzug.

Personalrat
Der Personalrat ist im Obergeschoss des Gebäudes des SPZ angesiedelt und erhält durch seine baukörperliche Differenzierung einen eigenständigen Charakter ohne dabei das Ensemble zu irritieren. So erschließt sich der Ein- bzw. Zweibund über einen großzügigen Dachgarten, welcher auf derselben Ebene des oberen Zuganges des SPZ liegt. Die kleineren Büroeinheiten orientieren sich nach Norden, die Leitung sowie der große Sitzungsraum sind im Osten hin zum Auepark angesiedelt.

Freiraum
Am Schnittpunkt zwischen Klinikgarten und Auepark nutzt der Freiraumentwurf die landschaftliche Qualität dieser Räume, um das Geländeumfeld und die mit dem Neubau entstehenden Hofsituationen in ihre räumlichen Umfelder zu integrieren. Die unterste Platzebene bietet den beiden Neubauten eine gemeinsame Eingangssituation mit Aufenthalts-möglichkeiten und Spielelementen für Patienten, Besucher und Angestellte. Die zweite Platzebene ist sowohl über eine Treppenanlage, als auch über eine Rampe und einen im SPZ liegenden Aufzug erreichbar. Hier befinden sich der Zugang zum Obergeschoss des SPZ und dem Dachgarten des Gebäudes, der mit Sitz-gelegenheiten großen Kübelpflanzen und einer schönen Aussicht lockt. Eine weitere breite Rampe führt barrierefrei auf die dritte Platzebene, auf der sich der Eingang zum Hauptgebäude des Klinikums befindet. Ein großformatiger Plattenbelag wird zu einem übergreifenden Eingangsmotiv.
Außenanlagen sowie Innenhöfe der neuen Gebäude nehmen die Vegetationsthemen der angrenzenden Grünräume auf und verweben so den bebauten Raum mit seiner Umgebung. Lockere Baumgruppen verteilen sich über die Platz- und Hofflächen. Lineare Sitzelemente lagern sich unter den Bäumen an.
Im Außenbereich der KITA bieten Rasenkegel, Sandflächen, ein Holzpodest und ein Klettergerüst Anreize zum ausgiebigen Spielen und Toben. Um die runden Elemente bleibt reichlich freier Bewegungsraum.
Angrenzend an den Landschaftszug Campus Melaten wird ein Naturerfahrungsraum, mit umfangreichen Sitzmöglichkeiten für das gesammelte Miteinander, zum ausgelagerten Außenbereich der KITA.
Die Retentionsfläche wird südlich des Erweiterungsbaus verortet.

Thermische Hüllfläche und Konstruktion
Die in Holzrahmenbauweise ausgeführte thermische Hüllfläche sichert zusammen mit 3-fach-isolierverglasten Fensterelementen einen hohen Dämmstandard.
Auch die mit dieser Bauweise einfach herzustellende Wärmebrückenfreiheit trägt dazu bei, die Transmissions- wärmeverluste auf ein sehr geringes Maß zu minimieren. Die vorgefertigten Holzrahmenelemente mit Beplankungen aus OSB-Platten und diffusionsoffenen Unterdeckplatten schaffen eine luftdichte und dabei diffusionsoffene Konstruktion ohne zusätzliche Dampfbremsen.

Lüftung
Um die auf Grund der Belegungsdichten zum Teil sehr hohen erforderlichen Luftwechselraten zu gewährleisten, werden einfache, passiv-selbstregelnde Zuluftelemente im Bereich der Fenster angeordnet. Über diese werden die Räume kontinuierlich und zugfrei mit frischer Zuluft versorgt, die im oberen Bereich der Fenster gegen die Decken gerichtet einströmt. Die verbrauchte Luft wird über eine Abluftanlage abgesaugt und die darin enthaltene Wärme der Anlagentechnik zur Verfügung gestellt (siehe Anlagentechnik).
Dieses Lüftungssystem sichert mit einfachen Mitteln eine gute Luftqualität in den Räumen, vermeidet unkontrollierte Lüftungswärmeverluste und erhöht gleichermaßen die Nachtlüftung für den sommerlichen Wärmeschutz.

Sommerlicher Wärmeschutz und natürliche Belichtung

Fenster mit deckengleichen Stürzen und Verglasungen mit hoher Lichttransmission sichern eine natürliche Belichtung auch in tiefer gelegenen Bereichen der Räume.
Bei direkter Sonneneinstrahlung kommt ein lichtlenkender, außenliegender Sonnenschutz zum Einsatz, der zum einen vor einer Überhitzung der Räume durch Sonneneinstrahlung schützt und zum anderen Sonnenlicht in einem für die natürliche Belichtung ausreichendem Maße, blendfrei über die Decke in die Tiefe des Raumes spiegelt. Im Zusammenspiel mit einer hoch effektiven künstlichen Beleuchtung, die bei ausreichender natürlicher Belichtung automatisch ausschaltet, wird eine sehr hohe Tageslichtautonomie erreicht.
Eine erhöhte Nachtlüftung über die Abluftanlage sichert den sommerlichen Wärmeschutz zusätzlich.

Anlagentechnik
Auf Grund des hohen Dämmstandards und der Belegungssituation wird tagsüber auch bei kälteren Temperaturen eine positive Energiebilanz erreicht, sodass keine zusätzliche Beheizung erforderlich wird. Um diese Wärmeüberschüsse für Zeiten mit Heizbedarf und für die Warmwasserbereitung nutzbar zu machen, werden die hohen, kontrolliert abgeführten Wärmemengen der Abluft über eine Wärmepumpe in einen Pufferspeicher überführt. Über diesen werden die Fußbodenheizung bzw. die auf Niedertemperatur ausgelegten Heizkörper gespeist. Ein zusätzlicher Wärmeerzeuger (z.B. Nahwärme des Klinikums oder Brennwertkessel) bedient die Spitzenlast.
Optional kann über eine Photovoltaikanlage Strom für die Abluftwärmepumpe und Lüftung bereitgestellt werden.
Auf Klimatisierungen kann weitestgehend verzichtet werden. Prinzipiell kann die Abluftwärmepumpe reversibel genutzt werden und eine leichte Kühlung über die FB-Heizung bereitstellen.



Architekt:
Matthias Schrimpf
mit Dennis Wagner Architekten
Architekten arch42, Berlin

in Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten, Berlin
Thermische Bauphysik Andernach, Berlin

Auslober:
Universitätsklinikum Aachen

Ort:
52072 Aachen

BGF: 2.080 m3

BRI: 8.265 m3

Leistung: Wettbewerbsbeitrag

Bearbeitung: 2013

Verfahren: 
Beschränkter Realisierungswettbewerb